Historisches

Für ein besonderes Weihnachtsfest: Glas-Christbaumschmuck aus Lauscha.

Lauscha und Glas – das gehört seit mehr als vier Jahrhunderten untrennbar zusammen.

Lauscha im Winter

Mit der Konzession zur Gründung einer „Dorfglashütte“ wurde Lauscha im Jahre 1597 erstmals urkundlich erwähnt. Seither begleitet der Werkstoff Glas die Menschen in und um den kleinen Ort im Thüringer Wald. Damals wie heute wird das ganze Leben in Lauscha von der Existenz der Glasbläser geprägt.

 Die ersten, aus dem Schwabenland stammenden Glasbläser, fanden ideale Voraussetzungen für die Ausübung ihrer Kunst. Begonnen wurde mit der Herstellung von Butzenscheiben, Apotheken- und Trinkgläsern. In den ersten 200 Jahren erfolgte die Glasherstellung ausschließlich in der Hütte. Als deren Kapazität zur Ernährung der schnell gewachsenen Bevölkerung nicht mehr ausreichte, bildete sich die Heimindustrie heraus. Dort wurden Halbfabrikate aus der Glashütte, Röhren und Stäbe, weiterverarbeitet und veredelt.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Lampenglasbläserei eingeführt. Diese Technik – das Ausblasen erhitzter Glasröhrchen über einer Öllampe – ermöglichte die Produktion von Glasperlen, die aneinander gereiht und mit Blei verspiegelt, prachtvolle Ketten ergaben. Die farbigen Perlen wurden aber auch für Brautkronen und Hutdekorationen verwendet.

Um 1835 erfand der Lauschaer Ludwig Müller-Uri das künstliche Menschenauge aus Glas. Wenn dies auch das Augenlicht nach Verletzungen nicht wieder bringen kann, so verhilft es doch seitdem vielen Menschen zu einem natürlichen Aussehen.

Vermutlich war es dann ein armer Lauschaer Glasbläser, der in Ermangelung echter Äpfel und Nüsse (die damalige Trend-Dekoration) für seinen Weihnachtsbaum, 1847 die ersten Vorreiter der heutigen Christbaumkugeln schuf: Früchte und Nüsse aus bunt bemaltem Glas. Dies war die Geburtsstunde des gläsernen Christbaumschmucks, der von Lauscha aus seinen Siegeszug um die ganze Welt antrat. Heute blickt Lauscha auf mehr als 160 Jahre Tradition zurück und wird mit Recht als die Geburtsstätte dieser Handwerkskunst bezeichnet.

Arbeitsstuben um 1920

Sehr bald bekamen die neuen Produkte größere Bedeutung, da sie über den Familienkreis hinaus an Interesse gewannen und zu beliebten Handelsobjekten avancierten. Im Archiv des Sonneberger Spielzeugmuseums befindet sich ein koloriertes Musterbuch des bekannten Verlegers Ernst & Carl Dressel aus dem Jahre 1860, in dem ein vielseitiges Sortiment Lauschaer Glaswaren abgebildet und angeboten wird. Darunter – neben den bekannten Glasperlen – auch eindeutig noch mit der Blei-Zinn-Legierung verspiegelte und mit einer gefärbten Wachsschicht gedeckte Glaskugeln und Oliven.

Damit ist eindeutig bewiesen, dass der Lauschaer Glas-Christbaumschmuck bereits seit 1860 zum Warenangebot der großen Sonneberger Spielzeugverleger gehörte.

Mit neuen Techniken und Organisationsformen konnte das Aufkommen erheblich gesteigert werden. Dazu gehörte die Umstellung von der Öllampe zum Gasbrenner nach Errichtung der Lauschaer Gasanstalt 1867 und die Einführung des neuen Versilberungsverfahrens nach Justus von Liebig.

Christbaumschmuckherstellung um 1930

Um 1870 wurden die ersten formgeblasenen Artikel noch in Holzformen eingeblasen. Die Entwicklung des Formenmaterials ging seitdem über Keramik bis zu Kohlenstoffverbindungen, die heute eine längere Standzeit und eine feinere Oberfläche ermöglichen. Viele Modelle sind aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende erhalten geblieben und zählen zu einem unschätzbaren Fundus.

Nach dem bekannt wurde, wie hoch die Differenz zwischen dem war, was die Glasbläser erhielten und dem was die Verleger erzielten, versuchten erste, selbständige Reisende direkte Verbindung zur Kundschaft herzustellen.

Bereits in den Berichten der Handels- und Gewerbekammer Sonneberg von 1878 – 1882 wird von einer jährlich wachsenden „beifälligen Aufnahme“ des in der Lauschaer Heimindustrie hergestellten, gläsernen Christbaumschmuckes geschrieben und „…es werden diese Artikel in den neuesten, jedes Jahr auftauchenden Mustern sozusagen von hier aus in alle Welt versandt.“

Um 1880 wurde der US-Amerikaner F. W. Woolworth zum ersten Mal auf die Erzeugnisse aus Lauscha aufmerksam und verkaufte sie für 25,00 US-$ in seinem Laden in Pennsylvania. 10 Jahre später war Glas-Christbaumschmuck aus Lauscha bereits ein Exportschlager. So bestellte Woolworth für seine inzwischen erfolgreiche Kaufhauskette in den USA schon um die vorletzte Jahrhundertwende 200.000 Stück der funkelnden Kugeln, Engel, Weihnachtsmänner, Sterne und anderer schillernder Kostbarkeiten. Bereits damals waren die kunstvoll gefertigten und handbemalten Kreationen der „vornehmste“ Schmuck des Weihnachtsbaumes.

Transport von Christbaumschmuck um 1920

1923 wurde die erste Kunstgewerbliche Fachschule für Glas in Lauscha eingerichtet. Im Mittelpunkt des Lehrplans stand die Idee, die Schönheit des Materials an sich wirken zu lassen. Expressionismus und Sachlichkeit prägten neue Formen und Dekore.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg brachte für Lauscha mit der Teilung Deutschlands grundlegend veränderte Bedingungen. Die äußeren Märkte durften in der ehemaligen DDR nur von autorisierten staatlichen Stellen bearbeitet werden. Zu dieser Zeit erfolgte eine Umstrukturierung der Herstellung von der einstigen Heimindustrie hin zu zentralen Produktionsstätten. In den volkseigenen Betrieben wurde überwiegend maschinen geblasener Christbaumschmuck hergestellt. Diese Massenproduktion war jedoch nicht auf mangelnde Kunstfertigkeit der Lauschaer Glasbläser zurückzuführen, sondern auf den Leitspruch „Devisen um jeden Preis“. Durch Valutaknappheit wurde auch der Christbaumschmuck zur Erwirtschaftung von harten Devisen eingesetzt. Bei Dumpingpreisen war mehr Masse als Qualität gefragt.

Das Firmengebäude in der DDR

Bemerkenswert ist, dass der Beruf des Glasbläsers und die dazu führende Lehrlingsausbildung bereits nach dem Krieg in Ostdeutschland anerkannt waren. Die heute noch oder wieder tätige Berufsfachschule in Lauscha wird vielfach genutzt. Die Lauschaer haben sich ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Auch heute noch wird Glas in zwei Hütten hergestellt und bildet für mindestens jede zweite Familie der ca. 4.000 Einwohner zählenden Gemeinde die Grundlage des Erwerbs.

Auch wenn es heute nicht mehr ohne weiteres möglich ist, gläsernen Christbaumschmuck in Heimarbeit herzustellen, weil die verschärften Bedingungen zum Umweltschutz einen hohen Aufwand für die Verarbeitung von Chemikalien und die geordnete Entsorgung der Rückstände erfordern, geht es in den „Arbeitsstuben“, wie auch die Räumlichkeiten in den größeren Produktionsstätten heute noch genannt werden, traditionell zu. Auch dort wird noch oft bei der Arbeit gesungen und besonders schöne Muster sind der Stolz einer ganzen Abteilung. Viele Techniken wurden von den Vätern auf die Söhne und von den Müttern auf die Töchter vererbt.

Viele Generationen von Lauschaer Glasbläsern haben Anteil an der Entwicklung des Christbaumschmuckes, der sich heute weltweit zu einem eigenständigen Industriezweig entwickelt hat. Für Krebs Glas Lauscha ist es Verpflichtung und Leidenschaft zugleich, diese Tradition zu bewahren und mit ihren Kollektionen auch in Zukunft fortzusetzen.